//open : closed borders // – grenzgänger festival

//open : closed borders // – grenzgänger festival

am 04. und 05. September 2020 im LCB

Über 15 Jahre haben sich Autor·innen, Fotograf·innen und Filmemacher·innen mit Unterstützung des Grenzgänger-Programms in verschiedenste Länder, Regionen und Situationen begeben und davon in vielfältigen dokumentarischen und künstlerischen Formen berichtet. Heute mehr denn je wird uns bewusst, auf welcher Seite der Grenze wir stehen und welche Privilegien uns Pässe von Geburt an verwehren oder verschaffen. Wir wollen uns am 4. und 5. September 2020 im LCB während des Festivals //open : closed borders// auf eine letzte große (virtuelle) Reise in die Grenzgängerwelten begeben und über die Themen „Die Dynamik der Krise“, „Weitergabe von Traumata“, „Künstliche Intelligenz“, „Die Menschheit als Naturkatastrophe“, „Migration und Tourismus“ sowie „Kolonialismus“ diskutieren. Am Freitagabend eröffnet der Fotograf und Kurator Marcus Reichmann die Fotoausstellung /open: closed borders photographs/ und am Samstag nimmt uns der Klangkünstler und Komponist Kalle Laar auf eine Entdeckungsreise durch die bisher noch fast unentdeckte musikalische Landschaft Eritreas mit.

14:00 - 15:00 h Panel 3

Mensch und Maschine. Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert

Gespräch: Madeleine Dallmeyer und Gesine Schmidt
Moderation: AC Coppens

Robotik und Künstliche Intelligenz nehmen einen immer größeren Stellenwert in vielen Haushalten ein. Doch wo erleichtern kluge Algorithmen die Lebensgestaltung, wo ist der Einsatz von Bots und Robotern hilfreich und wie menschlich können oder sollen künstliche Intelligenz oder Körper überhaupt sein? Welchen nachhaltigen Einfluss haben neueste technische Errungenschaften auf die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Konstitution von Gesellschaften? Mit AC Coppens, Gründerin von The Marketing Catalysts, diskutieren Gesine Schmidt, Autorin eines Hörfunkbeitrags zu Robotern als Service- und Pflegekräften in Japan, und die Filmemacherin Madeleine Dallmeyer, die sich in der Recherche zu ihrem nächsten Film über Hightech-Haustierprodukte mit der Beziehung zwischen Tier, Mensch und Technik befasst.
 

16:00-17:00 Panel 4

Die Menschheit als Naturkatastrophe?

Gespräch: Daniela Danz, Olga Delane und Fritz Schumann
Moderation: Dorothee Wenner

Die Definition des Anthropozän als Epoche, in welcher der Mensch als einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Veränderungen der irdischen Biosphäre gilt, stellt eine kategorische Unterscheidung zwischen Natur und Kultur infrage. Wie aber werden die realen und diskursiven Veränderungen in literarischen, journalistischen und filmischen Darstellungen widergespiegelt? Daniela Danz, Autorin und Kunsthistorikerin, beschäftigt sich in ihrem Lyrikband Wildniß (Wallstein Verlag) mit dem Begriff 'Natur' als Sehnsuchtsmotiv, das als Folge exzessiver Ausnutzung und zunehmender Entfremdung des Menschen von der Natur überhaupt entstehen konnte. Die Filmemacherin Olga Delane arbeitet an einem Dokumentarfilm über ein ausgebranntes Kupferschmelzwerk in der russischen Stadt Karabasch, welches jährlich mehr als 180 Tonnen Gase in die Atmosphäre absondert, und Fritz Schumann, Fotojournalist, recherchierte auf der japanischen Insel Ōkunoshima, wo sich während des Zweiten Weltkriegs die größte Giftgas-Fabrik Asiens befand. Es moderiert die Filmemacherin und Kuratorin Dorothee Wenner.

18:00-19:00 Panel 5

Flucht von wo? Migration und Tourismus in einer globalisierten Welt

Gespräch: Max Kerkhoff und Georg Manuel Zeller
Moderation: Antje Monshausen

Touristinnen und Migrantinnen verbindet das Motiv der Flucht, wenn auch unter spiegelverkehrten Vorzeichen: Die einen fliehen vor den Zwängen eines allzu berechenbaren Alltags, die anderen fliehen, weil sie genau so einen Alltag gerne hätten. Die Globalisierung bringt nun die einen an die Herkunftsorte der anderen, wobei die aktuelle Pandemie Unterschiede mehr denn je verschärft. In Max Kerkhoffs Dokumentarfilmprojekt All Inklusive dreht sich alles um die Versprechen und die Auswirkungen eines der größten Wirtschaftszweige der Welt. Georg Manuel Zellers Dokumentarfilmprojekt Souvenirs of war beschäftigt sich mit dem kathartischen Potenzial von Tourismus zur Traumabewältigung in Bosnien und Herzegowina. Mit Antje Monshausen, Leiterin von Tourism Watch bei Brot für die Welt im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung, sprechen sie darüber, wie im Vergleich zu den Industriestaaten wirtschaftlich wenig entwickelte Länder zu touristischen Zielen werden, über die Abhängigkeiten, die Tourismus schafft, aber auch über den Zwang zum Reisen als Überlebensstrategie.
 

20:00 – 21:00 Panel 6

Die Auswirkung kolonialer Verhältnisse auf das Erzählen

Gespräch: Katharina Döbler, Therese Koppe und Kalle Aldis Laar
Videobotschaft von Ye Ming
Moderation: Dorothee Wenner

Die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Europas steht trotz der Debatte um die Restitution von Kulturgütern noch am Anfang, unzählige Geschichten wurden bisher nicht erzählt  und so manche Perspektive nicht berücksichtigt. Wer sich als Kreative∙r mit Fragen von (post-)kolonialer Verantwortung beschäftigt, kann dabei die eigene Position nicht außer Acht lassen: Doch inwieweit wird diese durch persönliche Distanz, Form der Darstellung oder einen eurozentristischen Diskursraum geprägt? Katharina Döbler arbeitet an einem Roman über ihre Großeltern, die von 1913 bis 1940 Missionare auf Neuguinea waren, Therese Koppe an einem Dokumentarfilmprojekt zu der namibisch-deutschen Familie Schimming-Chase und der Klangkünstler und Radioautor Kalle Laar hat sich für einen Hörfunkbeitrag mit der Geschichte Eritreas beschäftigt. Ye Ming recherchiert momentan in Deutschland, um sich mit der deutschen Kolonialherrschaft in der chinesischen Stadt Qingdao auseinander zu setzen. Es moderiert die Filmemacherin und Kuratorin Dorothee Wenner.

In den Pausen: DJ Set von Klangkünstler, Komponist und Dj Kalle Laar:

Ethiojazz ist in den letzten Jahren zu einem Bestandteil hipper Loungemusik geworden. Diese spezielle Musikrichtung florierte in Addis Abeba etwa von 1965 bis 75, ihre Wiederentdeckung führte zu einer fast unübersehbaren Fülle von Neuauflagen rarer alter Aufnahmen.Vollkommen unbekannt dagegen blieb die Musik des Nachbarlandes Eritrea, sie ist in den Weltmusik-Abteilungen der Plattenläden nicht zu finden. Und das, obwohl die Musik die Geschichte dieses kleinen Landes intensiv begleitet hat, gerade die Geschichte des Unabhängigkeitskampfes hat sich hier intensiv abgebildet. Eritreische Musiker gelten geradezu als das Herz und die Seele Eritreas.

Kalle Laar hat Asmara im Laufe des letzten Jahrzehnts fünfmal besucht, immer auf der Suche nach unbekannten Klängen. Er bringt eine Auswahl seltener Aufnahmen von neueren, meist in Eigenproduktion entstandenen CDs, wenigen Schallplatten, und viel Material ohne audiophilen Anspruch, überspielt von Kassetten, die während des Unabhängigkeitskampfes entstanden sind.

 

Die Veranstaltung findet mit begrenzter Ticketzahl vor Ort statt und wird live gestreamt.

Die zwei Festivaltage sind open air geplant, und wir ziehen bei schlechtem Wetter in unseren Saal. Im Verkauf sind pro Tag jeweils eine begrenzte Anzahl an Karten, die ausschließlich bei gutem Wetter gültig sind. Sollte die Veranstaltung nach drinnen verlegt werden müssen, melden wir uns am Vortag bis 18 Uhr bei allen Inhaber·innen von Gutwettertickets per Mail mit einer Absage. In diesem Fall wird die Vorauszahlung automatisch rückerstattet. Wir bitten Sie beim Besuch einer unserer Veranstaltungen vor Ort einen Mundschutz zu tragen und den Abstand zu anderen Gästen zu halten. Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch, wir haben Sie vermisst.

Detaillierte Informationen:

www.grenzgaengerprogramm.de
www.lcb.de/programm/openclosedborders

#openclosedborders

Kontakt und Festivalleitung:
Nora Molitor (
molitor@lcb.de)  & Mandy Seidler (seidler@lcb.de)

Das Grenzgänger-Festival //open : closed borders// wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

Veröffentlichungen
Deutsch
| Buch
Daniela Danz

Wildniß

Deutsch
| Film
Fritz Schumann

Giftgas und Kaninchen - Ōkunoshima