//open : closed borders // – grenzgänger festival

//open : closed borders // – grenzgänger festival

am 04. und 05. September 2020 im LCB

Über 15 Jahre haben sich Autor·innen, Fotograf·innen und Filmemacher·innen mit Unterstützung des Grenzgänger-Programms in verschiedenste Länder, Regionen und Situationen begeben und davon in vielfältigen dokumentarischen und künstlerischen Formen berichtet. Heute mehr denn je wird uns bewusst, auf welcher Seite der Grenze wir stehen und welche Privilegien uns Pässe von Geburt an verwehren oder verschaffen. Wir wollen uns am 4. und 5. September 2020 im LCB während des Festivals //open : closed borders// auf eine letzte große (virtuelle) Reise in die Grenzgängerwelten begeben und über die Themen „Die Dynamik der Krise“, „Weitergabe von Traumata“, „Künstliche Intelligenz“, „Die Menschheit als Naturkatastrophe“, „Migration und Tourismus“ sowie „Kolonialismus“ diskutieren. Am Freitagabend eröffnet der Fotograf und Kurator Marcus Reichmann die Fotoausstellung /open: closed borders photographs/ und am Samstag nimmt uns der Klangkünstler und Komponist Kalle Laar auf eine Entdeckungsreise durch die bisher noch fast unentdeckte musikalische Landschaft Eritreas mit.

16:00 - 17:00 h Panel 1

Die Dynamik der Krise – Zwischen Nullpunkt, Neuanfang und Restitution

Gespräch: Wolfgang Reinke und Rainer Schildberger
Moderation: Tabea Grzesz
yk

Die ökonomische Krise, die Griechenland bewältigen musste, bot den Möglichkeitsraum für emanzipatorische gesellschaftliche Entwicklungen: der vor allem strukturellen Krise wurden kreativ neue Wege des Zusammenlebens entgegengesetzt. Wolfgang Reinkes Dokumentarfilm Krisis (D, 2018) zeigt, wie drei Griechinnen sich in einer solidarischen Klinik der sozialen Katastrophe entgegenstellen. Rainer Schildberger berichtet in seinen Hörfunkbeiträgen Ingredients of Democracy (rbb/DLF 2016) und Das bittere Herz Griechenlands (SWR 2016) von politischen und (land-)wirtschaftlichen Initiativen für Wege aus der Misere. Mit der Journalistin Tabea Grzeszyk diskutieren sie über Potenziale in Krisenprozessen und die Restaurierung politischer Macht jener Kräfte, die durch die Krise historisch delegitimiert sein müssten.

Das Hörfunk-Feature Das bittere Herz Griechenlands – Eine Familie und ihre Olivenbäume von Rainer Schildberger läuft am Do, d. 3.9.2020 um 15:05 Uhr bei SWR2 Leben:
www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/das-bittere-herz-griechenlands

18:00 - 19:00 h Panel 2

Wenn das Schweigen zu laut wird. Über die transgenerationelle Weitergabe von Traumata

Gespräch: Valerie Fritsch, Yannic Federer und Stanisław Mucha
Moderation: Daniela Dröscher

Das vergangene Jahrhundert ist gezeichnet von historischen Zäsuren, die meist durch brutale, systeminhärente Gewalt herbeigeführt wurden. Doch inwiefern werden unverarbeitete, traumatische Erlebnisse der Eltern- oder Großelterngeneration an die Nachkommen weitergegeben? Yannic Han Biao Federer arbeitet an einem Roman, der über (s)eine Familiengeschichte den Menschenhandel im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sowie die Diskriminierung der chinesischen Minderheit in Indonesien thematisiert. In seinem Dokumentarfilm Kolyma begibt sich Stanisław Mucha in den Nordosten Sibiriens, wo unter Stalin Millionen von Menschen gezwungen wurden, nach Gold zu schürfen. Valerie Fritschs Roman Herzklappen von Johnson & Johnson (Suhrkamp Verlag) verschränkt in der Hauptfigur Alma das Schicksal ihres Sohnes, der keinen Schmerz empfinden kann, mit den Traumata ihrer Großelterngeneration. Im Gespräch mit der Autorin Daniela Dröscher soll das Schweigen über das Schweigen gebrochen werden.
 

20:00 - 21:00 h Eröffnung Ausstellung

//open : closed borders photographers //

Gespräch: Marcus Reichmann (Kurator) mit Roman Bezjak, Andrea Diefenbach, Frank Gaudlitz, Loredana Nemes (angefragt) und Rebecca Sampson.

Ausstellung mit Fotografien aus: Frank Gaudlitz: Warten auf Europa. Begegnungen an der Donau (2006) / Roman Bezjak: Sozialistische Moderne (2011) / Andrea Diefenbach: Land ohne Eltern (2012) / Pepa Hristova: Sworn Virgins (2013) / Loredana Nemes: Beautiful (2013) / Rebecca Sampson: Apples for sale (2018).
Die Foto-Ausstellung open : closed borders photographs spiegelt noch einmal die Vielfalt der fotografischen Positionen, die durch das Grenzgänger-Programm gefördert wurden.

Andrea Diefenbach, Frank Gaudlitzund Roman Bezjak untersuchen in ihren Arbeiten die durch politische Umwälzungen und Globalisierung geprägten Transformationen postsowjetischer Gesellschaften und kommunistischer Architektur.
Pepa Hristova portraitiert die letzten Schwurjungfrauen Europas, die sogenannten „Burrneshas“, die in Albanien ein Leben als Mann führen.
Rebecca Sampson beleuchtet die Lebenswirklichkeiten indonesischer Hausmädchen, die in Hongkong als Migrantinnen zweiter Klasse in einer Parallelgesellschaft leben. In einem ausschließlich weiblichen sozialen Umfeld beginnen viele von ihnen eine Art sozialgeschlechtliches Wechselspiel, in dem sie männliche Rollen einnehmen.
Loredana Nemes erzählt aus der eigenen Kinderperspektive in Kombination mit poetischen Texten von ihrer Heimatstadt Sibiu in Rumänien.

In einer großen erzählerischen Klammer verhandeln die Künstler∙innen moderne Identitätsfragen auf politischer und zeitlicher Ebene sowie sich wandelnde Geschlechterrollen.

 

Die Veranstaltung findet mit begrenzter Ticketzahl vor Ort statt und wird live gestreamt.

Die zwei Festivaltage sind open air geplant, und wir ziehen bei schlechtem Wetter in unseren Saal. Im Verkauf sind pro Tag jeweils eine begrenzte Anzahl an Karten, die ausschließlich bei gutem Wetter gültig sind. Sollte die Veranstaltung nach drinnen verlegt werden müssen, melden wir uns am Vortag bis 18 Uhr bei allen Inhaber·innen von Gutwettertickets per Mail mit einer Absage. In diesem Fall wird die Vorauszahlung automatisch rückerstattet. Wir bitten Sie beim Besuch einer unserer Veranstaltungen vor Ort einen Mundschutz zu tragen und den Abstand zu anderen Gästen zu halten. Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch, wir haben Sie vermisst.

Detaillierte Informationen:

www.grenzgaengerprogramm.de
www.lcb.de/programm/openclosedborders

#openclosedborders

Kontakt und Festivalleitung:
Nora Molitor (
molitor@lcb.de)  & Mandy Seidler (seidler@lcb.de)

Das Grenzgänger-Festival //open : closed borders// wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

Veröffentlichungen
Deutsch
| Buch
Valerie Fritsch

Herzklappen von Johnson & Johnson

Deutsch
| Fotografie
Rebecca Sampson

Apples for sale

Deutsch
| Film
Wolfgang Reinke

Krisis

Deutsch
| Hörfunk
Tabea Grzeszyk

Warum Hilfsnetzwerke funktionieren

Deutsch
| Hörfunk
Rainer Schildberger

Das bittere Herz Griechenlands – Eine Familie und ihre Olivenbäume

Deutsch
| Hörfunk
Rainer Schildberger

Ingredients of Democracy – Der Traum von einem neuen Griechenland

Deutsch
| Fotografie
Loredana Nemes

Beautiful

Deutsch
| Fotografie
Pepa Hristova

Sworn Virgins

Deutsch
| Fotografie
Andrea Diefenbach

Land ohne Eltern

Deutsch
| Buch
Daniela Dröscher

Pola

Deutsch
| Fotografie
Roman Bezjak

Sozialistische Moderne

Deutsch
| Fotografie
Frank Gaudlitz

Warten auf Europa. Begegnungen an der Donau